Fokalisierung

Filmlexikon | Was bedeutet Fokalisierung?

Fokalisierung Definition

Der vom französischen Literaturwissenschaftler Gérard Genette geprägte Begriff Fokalisierung entstammt der Erzähltheorie und beschreibt das Verhältnis zwischen dem Wissen des Erzählers oder der Erzählinstanz und der Handlungsfigur. Der Begriff findet jedoch nicht nur in der Literatur Anwendung, sondern auch im Film, in welchem die erzählerische Instanz etwa auch in Form der Kamera auftreten kann, die dem Zuschauer Dinge zeigt, welche die Handlungsfiguren ebenfalls oder selbst (noch) nicht wissen.

Unterschieden wird dabei zwischen externer Fokalisierung, interner Fokalisierung und Nullfokalisierung. Diese Begriffe werden im Folgenden genauer erklärt.

Ein geöffnetes Buch mit umherfliegenden Buchstaben symbolisiert die Erzählung einer Geschichte in Abhängigkeit von der Fokalisierung.
Der Begriff der Fokalisierung wird nicht nur im filmischen Kontext verwendet.

Externe Fokalisierung

Bei der externen Fokalisierung handelt es sich um die Fokalisierungsart, bei welcher der Erzähler am wenigsten Wissen hat. Die Erzählinstanz kann hier nur das vermitteln, was von außen wahrnehmbar ist. Zu dem Innenleben der Handlungsfiguren, etwa Gedanken und innerlich erlebten Gefühlen, hat die Erzählinstanz keinen Zugang. Sie weiß also weniger als die Handlungsfiguren selbst, wodurch es auch dem Zuschauer oft schwerer fällt, das Gesehene sofort richtig einzuordnen und vollumfänglich zu verstehen.

Interne Fokalisierung

Bei der internen Fokalisierung haben Erzähler und Handlungsfigur den gleichen Wissensstand. Der Erzähler kann hier von all dem berichten, was die jeweilige Figur äußerlich, aber auch innerlich erlebt. Darunter fallen auch Gedanken und innere Monologe, welche von der Erzählinstanz sichtbar/hörbar gemacht werden können. Die interne Fokalisierung muss jedoch nicht zwangsläufig nur an eine Person gebunden sein. Auch ein Wechsel zwischen den Handlungscharakteren im Sinne einer variablen internen Fokalisierung ist möglich. Das Wissen der Erzählinstanz geht aber auch in dieser Form niemals über das Wissen der Figuren hinaus.

Nullfokalisierung

Bei der Nullfokalisierung fallen schließlich alle Einschränkungen. Die erzählerische Instanz weiß nicht nur alles, was die Handlungsfiguren selbst wissen, sondern geht mit ihrem Wissen noch darüber hinaus. Diese Form der Fokalisierung hat somit Gemeinsamkeiten mit dem auktorialen Erzähler, der über allumfassendes Wissen verfügt und beispielsweise auch einen Blick in die Zukunft werfen kann.

 

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